MISSIO – TonArt auf den Spuren spanischer Dominikaner

1. Die Anfänge

Dominikanerkonvent mit Capilla abierta, Yanhuitlán, Oaxaca, Mexiko (um 1540/50)1

Wir schreiben das Jahr 2019: CRUCIFIXUS ist passé, TonArt hält Ausschau nach einem neuen Repertoire. Und landet bei Vokalmusik rund um die Eroberung Mittel- und Südamerikas.

Dann kam die Pandemie. Dann kamen Debatten über kulturelle Aneignung. Über Postkolonialismus. Über political correctness sowieso.

Und dennoch:


2. Die Wiederaufnahme

Sie löste zunächst gemischte Gefühle aus:

Und auch auf höchster Ebene war die Sache längst nicht von vornherein klar:


3. Die Proben

Probe in Kenzingen Anfang Juni 2026

Siehe da: TonArt war ein gewaltiges Stück weiter gekommen in der Zwischenzeit. Die mittlerweile erarbeiteten Projekte trugen offenbar auch grundsätzliche Früchte. Plötzlich war klar: Das kann gelingen. Und tatsächlich entwickelte es sich nach dem Probenwochenende stetig weiter.
Nebenbei mussten neue MitsängerInnen integriert werden – immer eine Herausforderung für alle Beteiligten.


4. Das Beiwerk …

… war definitiv nicht nur schmückend, sondern essentiell:

Das ausführliche Programmheft im Einsatz

Nicht nur mit reich illustrierten Hintergrundinformationen wurden wir bedacht, die so gut wie druckreif waren, noch ehe die eigentliche Probenarbeit begonnen hatte. Auch sorgsam ausgewählte Filme ergänzten unsere Vorbereitung bei einem geselligen Jahresanfangstreffen in Hecklingen und während des Probenwochenendes Ende Februar in St. Peter.

Ob sich eine Programmdramaturgie bewährt, wird in der Probenphase nicht so richtig klar, weil sie auf einen Ablauf konzipiert ist, der lange nicht vorkommt. Dass man immer wieder Hintergründe beleuchtet, hilft indes sicher zum Verständnis einzelner Stücke.


5. Die Konzerte

Ja, die Hitzewellen waren sehr erschwerend. Aber sie ließen sich dramaturgisch gut nutzen und wurden dadurch vielleicht etwas erträglicher.

Darüber hinaus boten sie eine Rechtfertigung für die ab dem zweiten Konzert eingeführte Hydration Break, die nicht nur der Zuhörerschaft Gelegenheit zum Verschnaufen gab.

Evangelische Bergkirche in Bahlingen

Und das Konzept erwies sich als tragfähig, die Abfolge und die Abwechslung der Stücke waren logisch und organisch. Breit gefächert vom anrührend einfachen vierstimmigen Satz („Hanacpachap“) bis zum komplexen Doppelchor („Exsultate justi“). Letzterer in Emmendingen durch die maximale Raumnutzung eine akustische Herausforderung, aber auch eine bereichernde Erfahrung. Man ahnt die Faszination, die die Venetianer in der Renaissance in San Marco staunen machte.

Außerdem „pädagogisch“ sinnvoll für einen Chor: Das Gefühl, zwingend auf den Dirigenten angewiesen zu sein. Jedoch sehr gut kompensiert durch das Erlebnis, gar keinen Dirigenten zu brauchen – bei „Eso rigor“. Das Stück groovte sich ganz hervorragend ganz von selbst ein, trotzdem der Rhythmus etwas kompliziert notiert war und die Sprache eine wilde Pidgin-Mischung aus Portugiesisch, Spanisch und Westafrikanisch.

Lichtspiel in der Bahlinger Kirche

6. Der Nachklang

Ständchen der Ehemaligen

In die gelöste Dernièrenstimmung hinein mischten sich aus gegebenem Anlass Geburtstagsglückwünsche für den Chorleiter; bereits am Abend zuvor war dieser von den aktiven TonArtlern mitten in der Generalprobe mit einem Ständchen überrascht worden.
Nach dem letzten Konzert dann erwiesen noch eine ganze Reihe Ehemaliger, teils unter Aufbietung beträchtlicher Anreisemühen, dem sichtlich gerührten Jubilar verdientermaßen die Ehre.

Ehemalige und derzeitige TonArtlerInnen

Dieser soll hier auch das letzte Wort haben:

Ekkehard Weber / Magdalena Büttner

  1. Balam aleica, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons ↩︎