21. Juli 2005 • Badische Zeitung
Der Pfarrhof als Konzertsaal
Viel Erfolg für den Chor „Tonart“ beim Auftritt vor schöner Kulisse in Malterdingen

MALTERDINGEN (erg). Der Pfarrhof scheint der schönste „Konzertsaal“ in Malterdingen zu sein. An historischer Stätte, wo vor rund 250 Jahren Flugpionier Carl-Friedrich Meerwein einen Teil seiner Jugendzeit verlebte und der Überlieferung nach schon an Fluggeräten bastelte, erklangen Töne, um kurzzeitig der Wirklichkeit zu entschweben. Bravourös, wie das bekannte und geschätzte A-cappella-Ensemble Tonart aus Kenzingen – an diesem Abend mit zehn Sängerinnen und Sängern – eine enorme Bandbreite an Gesangskunst beherrschte. Die stimmliche Fähigkeiten reicht von Renaissance-Gesang und liturgischen Liedfolgen bis zur Popmusik oder kessen Liedern aus den 20er-Jahren. Der Kenzinger Chor unter Leitung von Ekkehard Weber aus Bombach, seit 25 Jahren Dozent an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg, präsentierte sich als Ensemble höchster Qualität. Bis hin zum Spiritual reichte die Palette. Locker, überzeugend lebensfroh, stimmlich ausdifferenziert sangen und agierten die zehn jungen Leute mit spürbarer Begeisterung und Hingabe. Es war besonders die stimmliche Kunst beim Renaissance-Gesang und liturgischen Liedfolgen, die die Qualität des Laienchors offenbarte. Der Chor ist vor wenigen Jahren aus einem Singprojekt der kirchlichen Jugendarbeit hervorgegangen. Rasch wechselten Stücke aus dem Spätmittelalter in die Neuzeit. Immer wieder bezauberten Solobeiträge, etwa bei „Träum vom Meer“ ein Basssolo mit Stefan Wäldin, „Dingdong“ ein Sopransolo von Marion Jenne und bei „The Eyes of a child“ ein Altsolo von Elisabeth Aldinger. Es schien, als wollten die Schwalben mit ihrem Abendlied sich in die Gesangskunst der jungen Menschen mit einzufügen. Beifallstürme und ein hoch zufriedener Hausherr, Pfarrer Götz Häuser, lassen ahnen, diese Sommerkonzerte sind auf dem besten Weg zum musikalischen Kleinod.

05. März 2005 • Badische Zeitung
Die menschliche Stimme als Quelle der Offenbarung
Bei "TonArt" wird unter Webers Leitung die Lust am Singen spür- und hörbar / Zwei gelungene Auftritte in Kenzingen und Sexau

KENZINGEN. Dass Ekkehard Weber nicht nur ein vorzüglicher Gambenspieler, Pädagoge und Interpret alter Musik ist, sondern auch eine gute Chorarbeit leistet, hat er mit seinem Vokalensemble "TonArt" längst unter Beweis gestellt. Es gelingt ihm, nicht nur bei jungen Menschen die Lust am Singen zu wecken und Teile der vielfältigen Literatur für dieses Genre zu erschließen, sondern auch einen Klangkörper zu formen, der mittels der Pflege einer leichten und hellen Intonation der Stimmen älterer und neuer Musik Lebendigkeit und Intensität verleihen. Das wurde auch bei den beiden jüngsten Auftritten in Kenzingen und Sexau deutlich.

Der Vortrag der zwei Dutzend Chorsätze ließ dies deutlich wahrnehmen. Nicht chronologisch, mehr thematisch knüpften die Textvertonungen die himmlischen und irdischen Zusammenhänge. Erkennbar in den Gesängen des großen Orlando di Lasso wie auch im "Ave Maria" des frankoflämischen Meisters Jacob Arcadelt und bei der baskischen Volksweise "The Angel Gabriel from heaven came" . Wie sehr die menschliche Stimme zu einer Offenbarungsquelle werden kann, lassen nicht nur die liturgischen und erbaulichen Texte von Josquin des Prez über Bach und seinen Schüler Gottfried August Homilius erkennen. Auch die Frömmigkeit der Klassiker gehören dazu. Joseph Haydn ("Du bist's dem Ruhm und Ehre gebührt"), das "Pater Noster" von Nikolay Rimskij-Korsakow und Max Regers Motette "Herr, führe mich auf dem Pfad deiner Gebote" bestätigen dies.

"Himmelsklang und Lebenston" (Salman Rushdie) können auch strömen aus den Popsongs der Jugendkulturen, nicht nur aus den Werken der Großmeister. So fand auch diese Lebensgefühl ihren kontrastreichen Ausdruck in den fröhlich-frechen Beatlessongs "Ob-La-Di, Ob-La-Da", einzelner Spirituals und Volksweisen wie dem Ohrwurm der "Real Group", "I Sing, You Sing" oder der originellen "Suite nach Ringelnatz".

Hoch motiviert waren die jugendlichen Musikanten bei der Sache: Der Wohllaut der elastischen Stimmen verband sich angenehm mit der rhythmischen Präzision und einer subtilen klanglichen Feinabstimmung. Die beiden Konzerte in Kenzingen und Sexau fanden beim Publikum eine begeisterte Aufnahme.

Helmut Reiner

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