20. Februar 1999 • Badische Zeitung
Einen letzten Auftritt gibt es nicht
Das „Singprojekt“ der evangelischen Kirchengemeinde Kenzingen
macht als „TonArt“ weiter

KENZINGEN (we). Zweimal schon hat es einen „Letzten Auftritt“ für das „Singprojekt“ der Evangelischen Kiarchengemeinde Kenzingen gegeben. Zweimal erwies es sich als unvorstellbar, einen so erfolgreiche Arbeit einfach aufhören zu alssen. Nun soll es tatsächlich weitergehen, als „TonArt“.

Eigenltich hatte man ja nur herausfinden sollen, ob sich im Rahmen kirchlicher Jugendarbeit sangesfreudige Jugendliche zu gemeinsamem Tun würden anregen lassen. Es fand sich eine Gruppe zusammen, deren Entwicklung im Laufe dieser Monate wohl alle Beteiligten positiv überrascht hat. Um das Repertoire nicht einzuengen wurde ein enorm weiter Bogen gespannt vom Mittelalter in die Moderne, von Klassik bis Pop.
Zwischen 15 und 22 Jahren alt waren die Sängerinnen und Sänger, die sich mit Begeisterung diesem Programm widmeten und die Ergebnisse ihrer Progenarbeit mit großem Erfolg der Öffentlichkeit präsentierten – zuletzt beim Empfang des Landesbischofs. Dass die Darbietungen einen Bischof aufhorchen ließen, dass er sich gar die Noten erbat zum Mitnehmen, war wohl ein deutliches Kompliment für die jungen Leute.
Spontane Einladungen an die Gruppe für die Zukunft, aber auch das Gefühl großen Bedauerns bei den Beteiligten über das ende dieses Projekts machten schnell klar: Es würde sich lohnen, diese Arbeit fortzusetzen. Nicht mehr als Versuchsprojekt, sondern als ständiges Angebot der Evangelischen Kirchengemeinde an die Jugendlichen der Umgebung, gleich welcher Konfession, Herkunft oder Vorbildung. Nach einigen Vorgesprächen wird nund das jüngste Kind der Kirchengemeinde vorgestellt: „TonArt“ möchte jungen Leuten zwischen 15 und etwa 30 Jahren die Möglichkeit geben, ihre Singbegeisterung in einer „A cappella Formation“ zu entdecken. Das Programm soll so bunt bleiben wie bisher.
Mit Rücksicht auf die höchst unterschiedlichen Terminmöglichkeiten von Schülern, Studenten, Zivil- und Wehrdienstleistenden und Berufstätigen trifft man sich künftig samstags von 10 bis12 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Kenzingen (Offenburger Straße) zur Probe, ertmals am 27. Februar. Die Betreuung liegt in professionellen Händen: Ekkehard Weber aus Bombach, seit 25 Jahren Dozent an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg im Breigau und ebensolange als konzertierender Künstler unterwegs auf vier Kontinenten, wird den jungen Sängerinnen und Sängern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen – im Rahmen seier terminlichen Möglichkeiten. Immer wieder wird die Gruppe auch alleine proben und auftreten. Dieses Angebot der Evangelischen Kirchengemeinde Kenzingen ist für Mitglieder des Förderkreises „Aktives Gemeindeleben“ kostenlos, Nichtmitglieder beteiligen sich mit einem Jahresbeitrag an den Kosten. Alle, die Lust haben, sowas mal auszuprobieren, können vier Wochen lang gratis und unverbindlich an den Proben teilnehmen. Danach ist jedoch eine Entscheidung fällig, im Hinblick auf kalkulierbare und kontinuierliche Probenarbeit.



Mit großem Spaß bei der Sache waren die jungen Sängerinnen und Sänger des „Singprojekts“, wie hier im Gottesdienst. FOTO: W. SCHNABEL

31. Dezember 1998 • Badische Zeitung
Proben, "die echt Spaß machten"
Das „Singprojekt“ der evangelischen Kirche Kenzingen
neigt sich dem Ende zu, zum Bedauern der jungen Sängerinnen und Sänger

KENZINGEN (we). Bis auf den letzten Platz gefüllt war die envangelische Kirche jüngst zu einem Sonntagsgottesdienst: Es war ein besonderer musikalischer Akzent, der diesen Gottesdienst prägte und die vielen Kirchenbesucher anlockte. Denn das „Singprojekt“ der Gemeinde war zu hören.

Nicht nur den Zuhörern, auch den Sängerninnen und Sängern hatte dieser Auftritt offensichtlich Freude gemacht. Das war nicht nur beim Singen im Gottesdienst zu hören: Denn noch hatten nicht alle Kirchenbesucher den Raum verlassen, da griffen die Jugendlichen noch einmal in ihre Repertoirekiste und sangen noch einige weltliche Stücke – weil‘s in der Kirche besonders gut klingt.
Das „Singprojekt“ war im letzten Frühling entstanden. Die evangelische Kirchengemeinde hatte, zunächst auf vier Monate begrenzt, dieses Angebot für Jugendliche, die gerne singen, eingerichtet. Es fand sich dann auch eine ansehnliche Gruppe im Alter zwischen 14 und 21 Jahren zusammen. Unter ihnen eine Gruppe von acht Abiturienten, die als A-Capelle-Gruppe bei ihrer Abitursfeier großen Anklang fanden.
Ganz unterschiedliche Literatur wurde in diesen Monaten gesungen, von alter Musik bis zur leichten Welle. Der erste und eigentlich einzig vorgesehene große auftritt des „Singprojekts“ war dann beim Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde im Juli.
Der große Erfolg motivierte die jungen Sänger jedoch zum Weitermachen, und nach entsprechenden Verhandlungen verlängerte die Kirchengemeinde das Projekt. Trotz des Schrumpfungsprozesses, der nach dem Weggang einiger Abiturienten eintrat, konnte so die Arbeit fortgeführt werden.
Nun gab es diesen zweiten großen Auftritt im Gottesdienst. ein letztes Mal wird das kleine vokalensemble im Januar zu hören sein, wenn Landesbischof Ulruch Fischer nach Kenzingen kommt. Was das „Singprojekt“ für sie bedeutete, darüber gaben die jungen Sängerinnen und Sänger nach dem Auftritt bereitwillig Auskunft. „Ich hab‘ überhaupt erst dabei gemerkt, dass ich ganz gut singen kann,“ erklärte Christian, „und außerdem hat uns die Beteiligung unheimlich für unsere parallel laufende Singgruppe geholfen“. Der kleine Chor von zehn jungen Sängerinnen und Sängern hatte die Liturgie mit sechs Beiträgen ergänzt.
Alte und neue vierstimmige Sätze, getragen von den klaren jungen Stimmen, verliehen dem Gottesdienst eine besondere Atmosphäre. Sauber inoniert, schwungvoll und doch präzise kam die Musik von der Empore. Mit „Tochter Zion“ von Händel und einem neuen Satz von „Es kommt ein Schiff geladen“ trugen sie der Vorweihnachtszeit Rechnung.
Warm und stimmungsvoll tänte Tschaikowskys Lobpreis „Tebe poem“. Aus dem 15 Jahrhundert war die italienische Anrufung der Dreifaltigkeit. Das lateinische „Vater unser“ stammte aus der Feder von Igor Strawinsky und schließlich erklang mit „Schalom a‘leichem“ der Schlusssegen. Mit langanhaltendem Applaus dankten die Gottesdienstbesucher dem Chor.
Alle scheinen sängerisch viel von der Chorarbeit profitiert zu haben. „Wir waren sehr gefordert, haben dadurch viel dazugelernt, und es hat dabei noch echt Spaß gemacht“, sagt Elisabeth. Hanne ergänzt: „Manchmal haben wir uns schon die ganze Woche auf den Probentag gefreut“. Zuletzt meint Marion: „Es ist wirklich schade, dass das Projekt nächsten Monat zu Ende geht“.



Beim Besuch des Landesbischofs gatte das erfolgreiche „Singprojekt“ der evangelischen Kirchengemeinde seinen vorerst letzten Auftritt. Als „TonArt“ soll es künftig zur Dauereinrichtung werden. FOTO: H. WEBER

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